Wahnsinnswerke
Das Geheimnis der Theaterklassiker

Die unverwüstliche Kraft vieler Theater-Klassiker liegt in ihrer zeitlosen Aktualität. Was haben Goethes „Faust“ oder Shakespeares „Hamlet“ mit der heutigen Zeit, mit uns allen zu tun? Diesen Fragen gehen wir in dem 3sat-Format „Wahnsinnswerke“ auf den Grund. Die Klassiker von ihrer Staubschicht befreien und ins Hier und Jetzt katapultieren – das ist der Ansatz der Reihe. Schauspieler, Popmusiker und Theaterregisseure ordnen die Stücke ein. Archivrückblicke und innovative Animationselemente helfen dabei, die Werke und ihre möglichen Deutungen zu begreifen. Manche Dramen lassen uns nicht los, sie überraschen uns immer wieder aufs Neue, sie sind verhaftet in unseren Köpfen, im kulturellen Gedächtnis, sie sind Allgemein- und Kulturgut: Wahnsinnswerke eben!

Wahnsinnswerke
Nora

Regie: Sylvie Kürsten

Buch: Sylvie Kürsten

Kunde: 3sat

Länge: 45'

Jahr: 2018

Gefangen im eigenen Leben, wagt Nora den Ausbruch aus einem Käfig, ihrem eigenen Heim und entdeckt eine neue, ihr völlig unbekannte Welt. Henrik Ibsens Theaterklassiker „Nora oder ein Puppenheim“ steht immer wieder auf den Spielplänen großer Theaterhäuser und thematisiert eines der aktuellsten Themen unserer Zeit – Emanzipation und Feminismus. Das Emanzipations-Stück wurde bereits 1879 in Kopenhagen uraufgeführt. Doch auch heute noch ist dieser Klassiker der Theaterwelt brandaktuell.

In dieser Folge von „Wahnsinnswerke“ entschlüsseln wir Noras riskanten Ausbruch aus den zeitgenössischen Konventionen. Und der hat es in sich: Aus Liebe zu ihrem Mann betrügt und lügt sie bis die Fassade ihres Puppenhauses anfängt zu bröckeln und schließlich zerbricht. Sie verlässt ihren Mann, ihre Kinder, ihr altes Leben – ein Konflikt, der uns auch heute noch bewegt. Welche Fassaden versuchen wir aufrecht zu erhalten? Und was würden wir erleben, wenn wir es wagen würden, sie zu durchbrechen?

Mit der Schauspielerin Johanna Wokalek, der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling, der Berliner Rapperin Sookee und der Regisseurin Susanne Kennedy ergründen wir die Themen Freiheit, Patriarchat und die Zukunft des Feminismus.

Wahnsinnswerke
Medea

Regie: Catharina Kleber

Buch: Catharina Kleber

Kunde: 3sat

Länge: 45'

Jahr: 2018

Eine Frau, betrogen, hintergangen und zu tiefst verletzt begeht einen unumkehrbaren Mord. Klingt fast wie ein spannender Krimi, ist jedoch Euripides‘ Theaterklassiker, entsprungen aus der griechischen Mythologie. In „Wahnsinnswerke: Medea“ ergründen wird das Schicksal von Medea, die für Jason ihr altes Leben aufgibt und dennoch von ihm verlassen wird. Voller Zorn schmiedet Medea einen ausgeklügelten Racheplan und ermordet die zwei gemeinsamen Kinder. Wir gehen dieser nach wie vor sehr aktuellen Tragödie auf den Grund und vergleichen die prägendsten Inszenierungen von Medea. Was hat uns die ungewöhnliche Geschichte von Medea, einer Frau die vollkommen aus der Norm entspringt, heute noch zu sagen?

Unter anderem sprechen die Schauspielerin Stefanie Reinsperger, die Kabarettistin Idil Baydar, die Autorin Stefanie Sargnagel und die Musikerin Luci van Org über die zentralsten Themen Treue, Heimat, Rache und Leidenschaft.

Wahnsinnswerke
Die Räuber

Regie: Matthias Schmidt

Buch: Matthias Schmidt

Kunde: 3sat

Länge: 45'

Jahr: 2017

„Die Räuber“, das Debüt des 21-jährigen Friedrich Schiller, war bei seiner Uraufführung ein Skandal. Der Autor, selbst zwar kein Räuber, aber dennoch kein Kind von Traurigkeit, schlich sich trotz Verbots des Herzogs von der Militärschule zur Premiere, um seinen Triumph mitzuerleben.

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„Die Räuber“ gilt als eines der Hauptwerke des Sturm und Drang. Der Konflikt mit Autoritäten und die Ablehnung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung machen es zur Folie für alles Rebellische und Revolutionäre auch unserer Zeit.

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Nicht zuletzt ist das Stück aber ein Familiendrama. Das Buhlen um die Liebe des Vaters und der Konkurrenzkampf zwischen den Brüdern sind Themenkomplexe, die Regisseure immer wieder zu Schillers sprachgewaltigem und gewalttätigen Stück greifen lassen.

Der Film von Matthias Schmidt lässt Schauspieler wie Franz Pätzold und Katja Bürkle oder Musiker wie den Rapper Samy Deluxe darüber sinnieren, weshalb „Die Räuber“ noch immer zu den am häufigsten gespielten Stücken auf deutschen Bühnen gehören.

Wahnsinnswerke
Faust

Regie: Ralf Dörwang

Buch: Ralf Dörwang

Kunde: 3sat

Länge: 45'

Jahr: 2016

Die Suche nach dem Sinn des Lebens, das Streben nach Erfüllung, ein fast schon krankhafter Jugendwahn und nicht zuletzt der Pakt mit dem Teufel: Das alles sind Motive, die auf der Bühne ebenso zuhause sind wie auf der Kinoleinwand, im Fernsehen und im Roman. Was hat uns Goethes Werk um den zweifelhaften Helden Faust heute noch zu sagen?

Der Film ergründet den Klassiker, vergleicht prägende Inszenierungen, spricht mit Künstlern und zeigt den Einfluss des Stücks auf die Popkultur. Rapper Alligatoah schreibt und performt für uns einen eigenen Faust-Rap.

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Autorin Thea Dorn berichtet, wie die Tragödie sie zu ihrem neuen Buch inspiriert hat. Schauspielerin Bibiana Beglau (unten) setzt sich mit Vergangenheit und Zukunft des „Faust“ auseinander.

Wahnsinnswerke
Hamlet

Regie: Lisa-Marie Schnell

Buch: Anne Breer

Kunde: 3sat

Länge: 45'

Jahr: 2016

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage…“ Schon mal gehört? Tatsächlich handelt es sich bei dem Zitat um den Beginn des wohl berühmtesten Monologs der Theatergeschichte, entnommen aus „Hamlet“ von William Shakespeare. Moment – Hamlet, wer war das noch mal? Worum geht es e eigentlich?

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Berühmt-berüchtigte „Hamlet“-Darsteller, wie etwa die Schauspieler Lars Eidinger (oben) und Angela Winkler, erzählen uns von ihrer Verbindung zu dem Klassiker. Wer hätte gewusst, dass selbst Disneys „König der Löwen“ auf Shakespeares Evergreen beruht?

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Einer der „Hamlet-Versteher“ im Film ist der Regisseur Herbert Fritsch. Ihm geht der ganze Hype um Shakespeare und die Hochkultur gehörig auf den Nerv. Weitere Protagonisten sind u.a. die Brass-Band „Moop Mama“ (oben) und Polit-Urgestein Gregor Gysi.